Unsere Chronik

Die Gründung und Gründer der Wehr

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain erfolgte im Jahr 1904 und damit zeitlich recht spät. In den umliegenden Gemeinden wie Sprendlingen und Langen wurde bereits 1879 eine Freiwillige Feuerwehr gebildet; in Offenthal war es 1886 so weit. In Götzenhain erfolgte die Gründung wie in der Nachbarstadt Dreieichenhain im Jahr 1904. Die verzögerte Aufstellung einer Freiwilligen Feuerwehr in Dreichenhain ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass sich laut einer Statistik des Landkreises Offenbach der letzte Brand im Jahre 1879 ereignete. Was bei diesem Schadensfeuer brannte und welcher Schaden angerichtet wurde, ist leider nicht überliefert. Wir Können mutmassen, dass er nicht sehr groß gewesen ist, da offensichtlich keine akute Notwendigkeit zur Bildung einer effektiveren Brandbekämpfungstruppe gesehen wurde. Eventuell waren die damaligen Feuerwehrmitglieder aber auch sehr gut mit dem Schadensfeuer zu Recht gekommen.

Im Stadtarchiv der Stadt Dreieich haben sich etliche Informationen über die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain erhalten und können dort eingesehen werden. So findet sich dort der Bericht einer Versammlung am 27. November 1948, in der zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain aus der Erinnerung heraus folgendes schriftlich festgehalten:

„Bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain gab es, wie damals üblich, eine Pflichtfeuerwehr. Bestimmte Jahrgänge, z.B. der Musterungsjahrgang fürs Militär, wurde zum Feuerwehrdienst verpflichtet. Das Kommando dieser Pflichtfeuerwehr hatte Georg Klingler II., Huf- und Wagenschmied aus der Fahrgasse 35. Leider verfolgten die Verpflichteten den Feuerwehrdienst nicht mit dem entsprechenden Interesse. Sie fühlten sich als „Zwangsrekrutierte". So kam man auf den Gedanken, eine Wehr mit freiwilligen Männern ins Leben zu rufen, die mit Herz und Hand bei der Sache waren und den Spruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" als ihren Eid ansahen. Diese Vereinbarung wurde bei einem schön verlebten Abend im Gasthaus „Zum Frankfurter Hof getroffen. Zu einer weiteren Zusammenkunft wurden ungefähr 25 - 30 Mann geladen. An diesem Abend im Gasthaus „Zum Frankfurter Hof - es war der 22. April 1904 — kam es zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain.

Am selben Abend wurden noch die einzelnen Abteilungen zusammengestellt und die einzelnen Führer benannt. Die Feuerwehren dieser Zeit waren z. B. aufgegliedert in Steigermannschaft, Pumpenmannschaft und Rohrführer, dies zum allgemeinen Verständnis. Erster Kommandant wurde Heinrich Schäfer und zweiter Kommandant Wilhelm Buxmeyer. Zur Gründungsfeier und als Geburtstagstaufe gab es ein Fass Bier."

Die Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain waren:

Ackermann Heinrich,Buxmeyer Wilhelm, Dietrich Balthasar,Gerhardt Friedrich, Graf Karl,Häfner Georg,Holzmann Philipp, Jost Peter, Kiefer Georg, Leyer Georg ,Leyer Eduard, Müller Gg. Friedrich, Müller I Philipp, Müller II Philipp, Schäfer Heinrich, Strauß Otto, Wenzel Georg, Winkel Christianm, Winkel Gg. Adolf, Winkel Johannes, Zimmer Wilhelm

Zu welchem Datum die offizielle Genehmigungsurkunde des Großherzogs ausgestellt wurde, ist nicht bekannt. Jeder neu gegründete Verein jener Zeit musste durch die grossherzogliche Verwaltung genehmigt werden, so wie heute jeder eingetragene Verein beim zuständigen lokalen Amtsgericht registriert werden muss.

Leider sind von den Gründungsmitgliedern aus der Gründungszeit keine Bilder vorhanden. Es gibt allerdings Photos einzelner Personen anlässlich des 50. und 60. Jubiläums der Wehr.

Für die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr wurden als Dienstanzug und Uniform blaue Röcke eingeführt, später kamen grüne Blusen dazu. Als Ausrüstung wurden die vorhandenen Geräte der ehemaligen Pflichtfeuerwehr übernommen. Zusätzlich benötiget Geräte wie eine neue Saug- und Druckspritze wurden von der Gemeinde nach und nach angeschafft. Die ersten Kosten für die neu gegründete Feuerwehr betrugen für die Stadt Dreieichenhain 13,35 Mark!

Den ersten Einsatz hatte die neu gegründete Freiwillige Feuerwehr in der Saalgasse bei Glasermeister Heil.

 

Die Jahre 1904 -1933

In der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr entwickelte sich ein gutes und lebhaftes Vereinsleben. Zum Vereinslokal wurde das Gasthaus „Zur Traube" auserwählt.

Der erste Kommandant Heinrich Schäfer musste allerdings schon bald sein Amt niederlegen, weil er zum Feueralarm blasen lies, obwohl es gar nicht brannte. An seine Stelle trat Kamerad Gg. Konrad Wenzel, der dann die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain mehr als 25 Jahre bis zu seinem Tode erfolgreich leitete. In seiner Amtszeit kam es zur Gründung einer Musikkapelle.

Im Jahre 1924 konnte auf ein 20-jähriges Bestehen zurückgeblickt werden. Anlässlich dieses Jubiläums wurde der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain der Kreisfeuerwehrtag des Kreises Offenbach übertragen. Gefeiert wurde an den Tagen 2., 3. und 4. August in Dreieichenhain. Am Abend des Samstags, 2. August, wurde erstmalig in Dreieichenhain eine Burgbeleuchtung mit Brillantfeuerwerk arrangiert. Feuerwerker waren die Gebrüder Bauer aus Offenbach. Vor der Burgbeleuchtung zog ein Fackelzug der Ortsvereine und Feuerwehrabordnungen durch die Straßen der Stadt. Das Feuerwerk fand so großen Anklang, dass man beschloss, es zukünftig jedes Jahr durchzuführen. So wurde das Feuerwerk im nächsten Jahr am Pfingstsamstag, der in Dreieichenhain auch Kerbsamstag ist, veranstaltet und somit eine neue Tradition begründet.

Zu jedem Feuerwehrtag gehört eine Brandangriffsübung. Sie wurde am Sonntag, 3. August, im unteren Teil der Stadt, im so genannten „Unerhaa", um 8 Uhr begonnen. Das Szenario sah vor, dass der untere Stadtteil in Flammen stehe. Alle Feuerwehren der umliegenden Gemeinden, dem Brandhilfsbezirk Dreieich, nahmen teil. Der Feuerwehr Dietzenbach passierte bei dieser Übung das Pech, dass sie bei der Anfahrt zu dem angegebenen Brandabschnitt mit ihrem Löschgerät im „Woog" landete. Zum Abschluss dieser Übung waren eine Hakenleiter-Übung angesetzt und danach ein großer Vorbeimarsch aller eingesetzten Kräfte an der Feuerwehrführung des Kreises. Zum Festprogramm des Sonntages gehörte auch, dass um 10 Uhr ein besonderer Gottesdienst gehalten wurde, in dem auch den im Ersten Weltkrieg gefallenen Kameraden gedacht wurde. Direkt anschliessend versammelten sich die Feuerwehrkommandanten des Kreises Offenbach zu einer Besprechung. Am Nachmittag gab es noch einen Festzug mit allen beteiligten Wehren und den Ortsvereinen. Dieser Tag endete zur vollen Zufriedenheit des Kreisbrandinspektors, der mit den gezeigten Leistungen bei den Übungen zufrieden war.

Die Bevölkerung von Dreieichenhain war durchaus einverstanden mit den turbulenten Tagen mit ihren festlichen Aktivitäten. Trotzdem gab es, wie aus der Chronik von Pfarrer Nebel zu vernehmen ist, Verärgerung über den Termin des Festes. Am 3. August fanden in Deutschland überall Trauerfeiern und Gedenkgottesdienste für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen statt. So war auch der in der Burgkirche stattfindende Gottesdienst nicht einfach eine Veranstaltung im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages, sondern vor allem ein Gedächtnisgottesdienst, in dem in Gebet, Schriftlesung, Gesang und Predigt an den Kriegsausbruch am 1. August 1914 gedacht wurde.

Die Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehr war es aber nicht Feste zu feiern. Sie sollte bereit sein, im Ernstfall tatkräftig einschreiten zu können. Dreieichenhain blieb nicht von Bränden verschont und es kam zu mehreren Einsätzen, bei denen die Feuerwehr gefordert war. Außer dem bereits erwähnten ersten Brand nach Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in der Saalgasse bei Glasermeister Heil brachen Feuer aus bei Wenzel in der Bogengasse, bei Eichler in der Fahrgasse und im Breschschoppen (eine Gemarkungsbezeichnung) und einer Scheune im Haimersloch. Ausserdem musste ein Waldbrand bekämpft werden. Auswärts war die Wehr in Götzenhain und Offenthal im Einsatz. In Götzenhain wurde von Kamerad Karl Groß sogar ein Menschenleben gerettet.

Im Jahre 1929 wurde die Wehr vom Tode ihres 1. Kommandanten Gg. Konrad Wenzel überrascht. Er hatte 25 Jahre lang die Wehr erfolgreich geleitet. An seine Stelle als 1. Kommandant trat Otto Strauß. Otto Strauß war ein alteingesessener jüdischer Mitbürger und in Dreieichenhain sehr beliebt. Er war in sehr vielen Vereinen aktiv und fühlte sich Dreieichenhain sehr verbunden, über das er Gedichte schrieb und sogar ein Lied. In Folge der politischen Machtveränderung in Deutschland, die Nationalsozialisten wurden Regierungspartei, musste er 1933 sein Amt niederlegen. Ihm folgte Philipp Stroh, dessen Amtszeit aber auch nur bis 1937 dauerte.

Die Entwicklung der Feuerwehr in Dreieichenhain hatte bis 1933 einen von der Bevölkerung allgemein anerkannten Verlauf als Organisation aktiver Dreieichenhainer Bürger genommen, nun kam es in Deutschland zu großen Veränderungen bei den Feuerwehren.

 

Die Feuerwehr im „Dritten Reich" - Die Jahre 1933 -1945

Nicht nur für die Feuerwehren im Deutschen Reich war das Jahr 1933 eine scharfe Zäsur. Am 30. Januar 1933 übernahm die NSDAP, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die Regierung im Deutschen Reich. Adolf Hitler wurde Reichskanzler. Gemäß der NS-Ideologie bildeten Partei und Staat eine Einheit. Die öffentliche Verwaltung hatte nationalsozialistisches Ideengut in die Praxis umzusetzen. Auch die deutschen Feuerwehren, egal ob Freiwillige, Werks- oder Berufsfeuerwehren, waren davon betroffen. Sie wurden „gleichgeschaltet". Die NSDAP propagierte das „Führerprinzip", das auch in jeder einzelnen Feuerwehr umgesetzt werden musste. Alle Feu­erwehren wurden zudem in einer straffen reichseinheitlichen Organisation des „Feuerlöschwesens" in Deutschland zusammengefasst.

15. Dezember 1933,in Preußen wird das „Gesetz über das Feuerlöschwesen" erlassen. Die preussischen Berufsfeuerwehren werden der Exekutive als neue Sparte der Polizei zugeordnet und führten nun den Namen „Feuerlöschpolizei". Aus Löschbezirken wurden Löschreviere, deren Grenzen denen der Polizeireviere entsprachen. Diese Regelung wurde richtungweisend für die anderen Länder des Deutschen Reiches.

15. Juni 1935, an diesem Tag erschien das Luftschutzgesetz, das den Begriff „Luftschutzpflicht"einführte. Alle Bürger wurden verpflichtet u.a. an Lehrgängen über das Feuerlöschen teilzunehmen. Diese Lehrgänge mussten von den Feuerwehren veranstaltet werden.

1936 Einführung einer reichseinheitlichen Uniform für die Freiwilligen Feuerwehren

23. November 1938,bis zu diesem Datum gehörte das Feuerlöschwesen noch in die Verantwortung der Länder und Gemeinden. Nun trat das ,Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen"in Kraft. Damit war den Ländern die Gesetzgebungskompetenz für das Feuerlöschwesen entzogen. Die Zielsetzung des Gesetzes wurde in seiner Einleitung deutlich, in der es hieß:

„Die wachsende Bedeutung des Feuerlöschwesens vor allem für den Luftschutz erfordert, daß schon seine friedensmäßige Organisation hierauf abgestellt wird. Hierzu ist nötig die Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, reichseinheitlichen gestalteten, von geschulten Kräften geführten Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe) unter staatlicher Aufsicht. Zur Erreichung dieses Zieles hat die Reichsregierung das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird."

Aufgrund dieses Gesetzes verschwand bei den Berufsfeuerwehren das traditionelle Blau der Feuerwehruniformen, es wurde durch das Polizeigrün ersetzt. Die Freiwilligen Feuerwehren durften ihre blaue Uniform behalten. Der Schnitt und die Ausgestaltung der Uniform waren aber nun im gesamten Reich einheitlich. Alle Fahrzeuge erhielten eine tannengrüne Lackierung. Bereits ab Frühjahr 1937 waren Neuanschaffungen von Fahrzeugen in der Farblackierung der Polizei ausgeliefert worden. Anstelle des Stadtwappens wurde das Führen des Polizeihoheitsabzeichens Pflicht.

Auf Bildern aus dieser Zeit ist zu erkennen, dass auch das Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain das vorgeschriebene Hoheitszeichen, den Reichsadler mit Hakenkreuz in einem Kranz, führte, darüber stand „Feuer Löschpolizei" und darunter der Ortsname Dreieichenhain".

Weiterhin wurden durch das zuvor erwähnte Gesetz über das Feuerlöschwesen"

vom 23. November 1938 alle den Freiwilligen Feuerwehren zugrunde liegenden Vereine und Verbände aufgelöst. An ihre Stelle trat eine nach taktischen Einheiten gegliederte Hilfspolizeitruppe, deren Organisation vom Reichsminister des Innern verfügt wurde. Grundsätzliches wurde zudem durch die Dritte Durchführungsverordnung zum Gesetz über das Feuerlöschwesen: Organisation der Freiwilligen Feuerwehr" vom 24. Oktober 1939 festgelegt. Weitere organisatorische Einzelheiten, so z. B. die Fragen der Uniformierung, regelten Runderlasse des Reichsführers SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern.

Im Jahre 1939 wurde mit der Einführung einer „Ausbildungsvorschrift für den Feuerwehrdienst" (PDV 23 = Polizeidienstvorschrift 23) die Ausbildung der Feuerschutzpolizei und der Freiwilligen Feuerwehren im Reichsgebiet vereinheitlicht. Diese Anweisung reagierte auf die Bestimmungen des Luftschutzgesetzes von 1938, das den Feuerwehren ein neues Aufgabengebiet, den „Luftschutz", zugewiesen hatte. Neben Industrieanlagen mussten auch die Dachböden von Wohnhäusern auf die Umsetzung der gültigen Luftschutz- bestimmungen überprüft werden. Vielleicht ist manchem Leser noch bekannt, dass in jedem Haus eine bestimmte Menge Wasser und trockener Sand vorrätig zu sein hatten. Dazu gehörten weiterhin leere Eimer für eine Eimerkette und eine Einstellspritze, die nach dem Prinzip der bei der Feuerwehr bekannten Kübelspritze funktionierte, oder einen Löschpinsel. Ein solcher bestand aus mehreren reißfesten ca. 50 cm langen Lappen an einem festen Stiel. In Wasser eingetaucht konnten mit dem Löschpinsel kleine Entstehungsbrände ausgeschlage.

Wassereimer mit Einstellspritze,Papiertüte mit Löschsand,Sandeimer mit Schaufel mussten auf jedem Dachboden vorhanden sein und wurden von der Feuerwehr kontrolliert! In jedem Haus gab es einen Luftschutzraum. Dieser Raum sollte mit Holzbalken ausgesteift und das Kellerfenster zum Schutz vor herabfallenden Trümmern entsprechend überbaut sein. Eine Luftschutz-Hausapotheke musste vorrätig sein sowie für jeden Hausbewohner eine so genannte Volksgasmaske. Zur persönlichen Ausrüstung gehörte ausserdem eine Trillerpfeife, um sich bei Verschüttung bemerkbar machen zu können. Weiterhin sollten Geräte wie Fäustel und Meißel vorhanden sein, um sich, wenn möglich, bei einem Bombentreffer selbst aus dem Schutzraum befreien zu können. Bei Doppellhäusern lagen die Schutzräume neben einander und waren durch einen Mauerdurchbruch miteinander verbunden. So konnte man bei einem Treffer über das Nachbarhaus den Luftschutzraum verlassenen bzw. gelöscht werden.

Bei Einbruch der Dunkelheit ging der Luftschutzwart in seinem Revier umher und kontrollierte, ob anordnungsgemäß verdunkelt war. In großen Wohnanlagen übernahm diese Aufgabe der Blockwart.

Wie wirkte sich diese Zeit auf die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain aus?

Mit Datum vom 5. August 1933 ging vom Hessischen Kreisamt in Offenbach a. M. den Bürgermeistern der Landgemeinden ein Schreiben über die „Gleichschaltung der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Offenbach" zu. Darin hieß es u.a.:

„Das Interesse des Staates fordert, daß künftig auch die Führerstellen der Freiwilligen Feuerwehren nur mit solchen Männern besetzt sind, die ohne Einschränkung sich für die Ziele der nationalen Regierung einsetzen. In Betracht kommen hier die Stellen des Kommandanten und die seines Stellvertreters (des sog. zweiten Kommandanten). Es soll, um die Gleichschaltung durchzuführen, nicht verlangt werden, daß die Feuerwehrführer der NSDAP, der NSBO, der SA, der SS oder dem Stahlhelm angehören. Es muß aber die volle Gewähr bestehen, daß die Führer der Feuerwehr unbedingt zuverlässige Stützen der nationalen Regierung sind. Personen die die Regierung in gehässiger Weise bekämpft haben oder in einer der marxistischen Parteien eine führende Rolle gespielt haben, sind ungeeignet und zu ersetzen."

Vereine, denen Personen angehörten, die der NS-Staat als Juden definierte, hatten ab 1933 mit Repressalien zu rechnen, und ab 1935 war diesen Menschen der Eintritt bzw. die Mitgliedschaft in deutschen Vereinen prinzipiell verboten.

Aufgrund der politischen Lage legte der im Januar 1929 zum 1. Kommandanten gewählte Otto Strauß bereits im Juni 1933 sein Amt nieder. Otto Strauß war ein gläubiger Jude, ein in Dreieichenhain sehr beliebter und angesehener Bürger. In einem Verzeichnis, das circa ein Jahr später abgefasst worden war und das über die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Auskunft erteilte, ist Otto Strauß noch als Mitglied aufgeführt. Er wurde in der Reichskristallnacht am 9.710. November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Nach seiner Entlassung emigrierte er nach Bolivien. Seine Tochter erzählte 1980 bei einem Besuch in Dreieichenhain, dass Otto Strauß immer wieder mit seinen Gedanken in seiner Heimatstadt, seinemüber Sein Nachfolger bis zum Juli 1937 als 1. Kommandant war Philipp Stroh. Danach wurde die Wehr bis zum Kriegsende von Emil Uhl (1. Kommandant) und Fritz Conte (2. Kommandant) geführt. In die Amtszeit dieser Beiden fällt die Anschaffung des ersten Motorwagens der Feuerwehr Dreieichenhain.

Ab 1. November 1935 erhielt der Kreisfeuerwehrinspektor die Bezeichnung „Kreisfeuerwehrführer"Auch dies war eine Maßnahme im Sinne der „Gleichschaltung" und der Umsetzung des „Führerprinzips" im NS-Regimealles geliebten „Haa" gewesen sei.

Das Ineinandergreifen von Partei- und staatlichen Institutionen in der NS-Zeit und Machenschaften zur Durchsetzung des Primats der NSDAP wird am folgenden Beispiel aus der Dreieichenhainer Feuerwehr deutlich, dem wohl ein Konflikt zwischen einem lokalen SA-Führer und dem damaligen 1. Kommandanten Philipp Stroh zugrunde lag. Im April 1937 wurden die Bürgermeister des Kreises Offenbach a. M. durch das Kreisamt von einem Schreiben des Standartenführers der Standarte 168 in Kenntnis gesetzt. Dieser beauftragte via Kreisamt die Bürgermeister, die jeweiligen Wehrführer unterschriftlich davon in Kenntnis zu setzen und sie anzuweisen, den Dienst bei der Feuerwehr so einzuteilen, dass die Wochentage Dienstag und Donnerstag für den S.A. Dienst prinzipiell frei bleiben. Gezeichnet war das Schreiben vom Führer der Standarte168 Dreieich.

Mit dem bereits mehrfach erwähnten „Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 23. November 1938 wurden nicht nur alle Vereine und Verbände der Feuerwehren aufgelöst, sondern auch deren Vermögen eingezogen. Als 

Hilfspolizeitruppen sollten sie über keine eigenen Finanzmittel verfügen können. In die Zeit des Übergangs von einem Verein zu einer Hilfspolizeitruppe fällt interessanterweise der Ankauf eines Motorwagens für die Hainer Wehr. Der Omnibusbetrieb Anton Gabele, Schießbergstraße 2, hatte für 500,- Reichsmark (RM) einen gebrauchten Taxibus der Marke „ADLER" zum Verkauf angeboten. In einer in der Gaststätte „Zu den drei Eichen"(Leyer) abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, dieses Fahrzeug zu kaufen. Man setzte sich damit über eine Anordnung des Kreisdirektors (heute: Landrat) hinweg. Dieser hatte nämlich angeordnet, auf Grund des oben genannten Gesetzes die Spargelder der Feuerwehren des Kreises einzuziehen. Eduard Uhl, Bruder des 1. Kommandanten, konnte die anwesenden Kameraden überzeugen, dass mit dem Kauf des Fahrzeuges das Geld am besten angelegt sei. Alle Kameraden halfen beim Umbau des Omnibusses zum Feuerwehrfahrzeug mit. Vom Kreisdirektor und von Kreisfeuerwehrführer Leichter gingen Mahnungen und Drohungen ein, die zu einem festen Stichtag vorhanden gewesenen Spargelder abzuliefern. Die Wehr widersetzte sich erfolgreich. Eine Abordnung von drei Kameraden erreichte durch persönliche Vorsprache und beherztes und unerschrockenes Auftreten beim Kreisdirektor, dass der Kauf des Busses nachträglich genehmigt wurde. Das Trio bestand aus Emil und Eduard Uhl und vermutlich dem ehemaligen Autobesitzer Anton Gabele. Der seinerzeitige Bürgermeister Knipp setzte sich ebenfalls sehr für die Instandsetzung und den Umbau des Fahrzeuges ein. Ihm ist es anzurechnen, dass das Fahrzeug so hergerichtet werden konnte, wie es auf zeitgenössischen Fotos zu sehen ist. Das Fahrzeug wurde von den Feuerwehrkameraden liebevoll „Lotte" genannt. Warum es diesen Namen erhielt, ist auch bei Kameraden, die mit diesem Fahrzeug ausrückten, leider nicht bekannt.

1939 erhielt die Feuerwehr Dreieichenhain, die nun Feuer-Löschpolizei hieß, zum Fahrzeug eine Tragkraftspritze, eine so genannte TS 8. Damit war das Fahrzeug komplett. Wer die Tragkraftspritze bestellt und beschafft hat, ist nicht bekannt. Mit dem Fahrzeug, ihrer „Lotte", gehörte die Feuerwehr Dreieichenhain während des Zweiten Weltkrieges zur Bereitschaftsgruppe Neu-Isenburg und musste stets einsatzbereit sein. Bei Fliegeralarm hatte sich die Mannschaft am Feuerwehrhaus zu versammeln. Dort erhielt die Wehr ihren Einsatzbefehl. Neben kleineren Bränden in Dreieichenhain und in der näheren Umgebung, hervorgerufen durch Brandbomben, wurde die Wehr nach der Bombardierung von Neu-Isenburg und der Vernichtung der Darmstädter Innenstadt durch Brand- und Sprengbomben auch in diesen Städten eingesetzt. Obwohl Kreisfeuerwehrführer Leichter den Ankauf und Umbau des Fahrzeuges entsprechend den Vorschriften zu verhindern versucht hatte, war er wohl recht überzeugt vom Leistungsvermögen der „Haaner". Von ihm ist aus der Kriegszeit der Ausspruch überliefert, dass er ohne die Haaner nicht mehr ausrücken würde!

Die häufigen Luftangriffe auf die benachbarte Großstadt Frankfurt a.M. sowie auf Darmstadt, Offenbach und Neu-Isenburg brachten es mit sich, dass 1943 auf dem Runden Turm der Burg ein Luftbeobachterposten eingerichtet wurde, der hauptsächlich nachts von der Feuerwehr zu besetzen war. Dies ist aus dem „Heimatgruß" zu entnehmen. Einem Brief der jedem Soldat aus Dreieichenhain an seinen Standort gesandt wurde. Der Luftbeobachter hatte zu melden, aus welcher Richtung die feindlichen Flieger kamen und wo ungefähr Bombeneinschläge und Feuerschein zu sehen waren. Diese Meldungen waren die einzige Orientierungshilfe für die Feuerwehr. Die wenigsten Feuerwehren, und dies gilt um so mehr für eine Landgemeinde wie Dreichenhain, verfügten zu dieser Zeit über ein Feldtelefon oder gar Funkgeräte?

Dreieichenhain blieb von direkten Luftangriffen verschont. Trotzdem fielen vereinzelt Bomben. Von 1940 bis 1945 waren Bombentreffer bei Conte in der Schießbergstraße, bei Beck in der Erbsengasse, bei Bremer in der Fahrgasse und bei Ruhl in der Hengstbachstraße zu verzeichnen. In der Erbsengasse bei Beck wurde eine Person schwer verletzt. 1942 wurde das Mühlrad der Holzmühle durch einen Bombentreffer zerstört. Außer bei Ruhl in der Hengstbachstraße, wo das halbe Haus zerstört wurde, kam es zu keinen größeren Bränden und Sachschäden.

Noch 1944 wurde geplant, am Dreieck Koberstädter Straße/Ecke Waldstraße ein Löschwasserbecken von 17 x 10 m und einer Tiefe von 1,60 m zu errichten. Das Löschwasser sollte für den Fall von Bränden durch Luftangriffe bei zerstörter Wasserleitung oberhalb der Bahnlinie benutzt werden. Noch immer wird von Älteren erzählt: „hätten die damals das Löschbecken gebaut, hätten wir heute ein Schwimmbad!" Unterhalb der Bahnlinie, wo sich der alte Ortskern befindet, waren zwei natürliche Löschwasserbecken vorhanden; einmal vor der Burg der Burgweiher und außerhalb der Stadtmauer der Herrnweiher. Damit wäre Dreieichenhain im Ernstfalle ausreichend mit Löschwasser versorgt und unabhängig von der Wasserleitung gewesen.

Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich und der Krieg war zu Ende. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt, die von den alliierten Militärregierungen verwaltet wurden. Auch unter diesen Machtbedingungen ging der Dienst bei den Feuerwehren weiter. Die nötigen Anweisungen für den Dienstbetrieb wurden von den Militärregierungen erlassen. Dazu gehörte in der Regel, die bisherigen Führungskräfte zu entfernen bzw. auszuwechseln. Die politische Entwicklung führte 1949 zur Gründung zweier antagonistischer deutscher Staaten, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin, die ehemalige Reichshauptstadt, erhielt einen Sonderstatus als „Viermächte-Stadt". Die Gesetzeskompetenz für das Feuerlöschwesen wurde in der Bundesrepublik erneut den einzelnen Bundesländern übertragen. Seit 1948 gab es abermals eine Fachzeitschrift „Brandschutz". In Hessen erschien 1949 auch die von den Nazis verbotene „Hessische Feuerwehrzeitung" wieder. Bereits 1951 verfügten die meisten Bundesländer über ein eigenes Brandschutzgesetz.

In Dreieichenhain ruhte nach Beendigung des Krieges zunächst jede Tätigkeit der Wehr. Der von den Amerikanern kommissarisch eingesetzte Bürgermeister Werner beauftragte dann den Kameraden Georg Hunkel, die Feuerwehr wieder ins Leben zu rufen. In einer ersten Amtshandlung begab sich Kamerad Hunkel ins Feuerwehrhaus, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Außer der Gerätschaft fand er einen großen Haufen kunterbunt durcheinander gewürfelter Uniformen der Feuerwehr, der SA, der Wehrmacht, des Roten Kreuzes usw. Die Uniformen wurden auseinander sortiert und die Feuerwehruniformen ins Vereinslokal gebracht. Unter Bürgermeister Wilhelm Stroh, dem ersten demokratisch gewählten Bürgermeister nach dem Ende des „Dritten Reiches", fand am 23. November 1946 eine erste Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain im Rathaus statt. In dieser Versammlung wurde Georg Hunkel zum 1. Kommandanten und Arthur Frank sen. zum 2. Kommandanten gewählt. Rechner wurde Kamerad Daniel Kiefer und Schriftführer Kamerad Wilhelm Knöchel. Bei dieser Versammlung waren 13 Kameraden anwesend.

Der 23. November 1946 ist somit der Zeitpunkt des Neubeginns der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain.

 

Der Neubeginn - Die Jahre 1945 - 1977

Vordringlichste Aufgabe der am 23. November 1946 neu gewählten Führung der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain war es, für eine ausreichend starke Mannschaft von mindestens 30 Personen zu sorgen. In der ersten Versammlung waren jedoch, wie erwähnt, nur 13 Kameraden anwesend. Viele dieser Kameraden arbeiteten zudem nicht in Dreieichenhain sondern auswärts. Bei einem Alarm wäre keine Löschgruppe von 9 Mann zusammen gekommen, wie es die Vorschriften erforderten. Eine Mann­schaft in der Stärke von einer Gruppe ist die erforderliche Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Löschangriff. Hinzu kam noch als Folge des Zweiten Weltkrieges und aus Unsicherheit über die politischen Nachkriegsverhältnisse, dass kaum jemand bereit war, eine Uniform zu tragen – auch nicht die der Feuerwehr. Dennoch, bis zum August 1947 konnte die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain wieder auf 34 aktive Feuerwehrkameraden bauen. Nach einem Kleiderappell wurde ein Antrag an die Stadt Dreieichenhain gerichtet, die Kleidung für 30 Feuerwehrleute zu ergänzen. Vorsorglich wurde eine Kleiderkartei angelegt. Ferner wurde beschlossen, eine Einbinderzange und ein Schlauchapparat zur Schlauchpflege und Schlauchreparatur zu beschaffen. Es ging langsam, Schritt für Schritt, wieder vorwärts.

In einer Versammlung am 22. Februar 1947 wurde zudem festgelegt, dass das Fahrzeug und die Motorspritze generalüberholt werden sollten. Weiterhin wurde an­geregt, ein neues Feuerwehrhaus zu bauen, da das jetzige nicht mehr den aktuellen Verhältnissen entspräche. Ortsbrandmeister Gg. Hunkel wurde beauftragt, sich mit der Gemeindeverwaltung abzusprechen. Zu den angesetzten Übungen sollte in Zukunft mit dem Signalhorn (Sirene) gerufen werden.

In mehreren folgenden Vorstandsitzungen stellte der Architekt Jourdan seine Entwürfe für das neue Feuerwehrhaus vor. Es sollte ursprünglich in Eigenhilfe von ortsansässigen Handwerkern erbaut werden. Jourdan meinte, „dass es für die Dreieichen­hainer Handwerker eine Kleinigkeit sei, so ein Spritzenhaus hinzustellen!“ Man hoffte, die nötige Mithilfe für den Bau durch einen Aufruf an die ortsansässigen Maurer und Handwerker zu mobilisieren. Die Stadt Dreieichenhain sollte die Baumaterialien zur Verfügung stellen, während die Arbeit durch Selbsthilfe erledigt werden sollte.

Wie schwierig es mit der Freiwilligkeit war, machte Ortsbrandmeister Gg. Hunkel in einer Versammlung am 27. August 1947 klar. Er äußerte, dass er die Verantwortung für die Wehr nicht weiter tragen könne. Von 34 aktiven Kameraden waren zu einer Übung nur 10 erschienen. Nach den gültigen amtlichen Vorgaben sollten in Dreiei­chenhain jedoch sogar 35 Feuerwehrleute aktiv sein. Er stellte die Versammlung vor die Wahl, dass entweder die Übungen von allen Kameraden besucht werden oder es müsse wieder eine Pflichtfeuerwehr eingesetzt werden.

Ein denkwürdiger Tag für die Verstärkung der Freiwilligen Feuerwehr war daher der 20. Oktober 1947. Anlässlich einer Versammlung konnte eine Jugendgruppe gebildet werden. Das Alter der Jugendlichen betrug 17 - 18 Jahre.

In die Ausbildung wurde viel investiert, zeitlich wie finanziell. So nahmen z.B. die Kameraden Gg. Schwerdhöfer und W. Schäfer an der wiedereröffneten Landesfeuerwehrschule in Kassel an einem Lehrgang teil, dessen Kosten von der Gemeinde getragen wurden. Während des ganzen Jahres fanden regelmäßig Übungen und interner Unterricht statt. Die Unterrichtsstunden wurden im Winterhalbjahr gehalten, dafür musste der Raum im Vereinslokal geheizt werden; einen eigenen Unterrichts- oder Versammlungsraum im Feuerwehrhaus gab es nicht. In der schwierigen Versorgungslage der direkten Nachkriegsjahre war es nötig, dass sich der Bürgermeister mit dem Forst­amt Langen wegen Brennholz für diesen Zweck in Verbindung setzte.

Auch überörtlich tat sich vieles bei den Feuerwehren des Kreises Offenbach. Es wurden regelmäßig Kommandantensitzungen einberufen. Der Hessische Landesfeu­erwehrver­band wurde wieder gegründet. Der erste Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Offenbach nach dem Zweiten Weltkrieg fand in Mühlheim a. M. statt. Alle Feuer­wehrmänner wurden nun prinzipiell in der Brandversicherungskammer des Landes Hessen gegen Unfall versichert. Die Gemeinden wurden verpflichtet für den Fall eines Unfalls und finanziellem Schaden bis zur Auszahlung durch die Brandversicherungs­kammer in Vorlage zu treten. Kameraden, die an Tagungen teilnahmen, wurden von den Gemein­den für einen halben Tag mit 6 RM und für einen ganzen Tag mit 12 RM entschädigt. Kommandanten und Gerätewarte sollten jährlich eine einmalige Vergü­tung erhalten.

Am 22. Januar 1949 wurde die Feuerwehr zu einem Brand im Gasthaus „Zur Krone“ alarmiert. In der Liegenschaft brannte eine Stallung, in der im oberen Stock­werk Heu und Stroh gelagert waren. Vermutlich versuchten Zivilpersonen, die das Feuer bemerkt hatten, vergeblich das Feuer mit Eimern selbst zu löschen und alar­mierten die Feuerwehr zu spät. In einer drei Wochen später, am 11. Februar, einberu­fenen Versammlung musste sich die Wehr vor dem 1. Beigeordneten der Stadt, Ernst Keller, der eingeladen war, gegen Vorwürfe verteidigen. Der frühere Kamerad Karl Groß, der 1948 aus der Feuerwehr ausgetreten war, hatte nämlich in einer Sit­zung der Gemeindevertreter gesagt, dass bei der Feuerwehr nichts mehr funktioniere. Der 2. Kommandant Arthur Frank konnte in einer Beschreibung der durchge­führten Brandbekämpfungsmaßnahmen diese Behauptung für den konkreten Fall widerlegen.

Neben den Pflichten der Feuerwehr sollte aber auch im Nachkriegsdeutschland das Gesellschaftliche nicht zu kurz kommen. So wurden in die jährlichen Planungen die Burgbeleuchtung, Sylvesterball, Maskenball, Nikolauswanderung, Weihnachtsfeier und Kameradschaftsabend mit aufgenommen und auch regelmäßig durchgeführt.

Wie bereits beschrieben – Hessen gehörte zur Besatzungszone der Amerikaner, die nach Kriegsende sofort den Anstoß zur Neugründung der Feuerwehren in ihrem Machtbereich gegeben hatten. 1950 wurde der 31. Landesfeuerwehrtag des Landes Hessen, der erste nach dem Zweiten Weltkrieg, durchgeführt. Wie positiv die Feuerwehren und das Engagement der Kameraden von den Amerikanern eingeschätzt wur­den, zeigt der Gruß des amerikanischen Landeskommissars für das Land Hessen zu diesem Anlass.

Der 20. Juli 1952 war für die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain ein Jubeltag. Anstelle einer Übung fanden um 9 Uhr im Rahmen einer kleinen Feier die Schlüsselübergabe und der Umzug in das neue Gerätehaus statt. Bürgermeister Stroh sagte in seiner Ansprache:

„Es war für die Gemeinde eine harte Nuss das Feuerwehrhaus zu bauen, aber es musste sein. Es dient für einen guten Zweck und jeder Einwohner kann über Nacht die Feuerwehr vielleicht einmal brauchen. Ich hoffe und wünsche, dass die Gemeinde auch weiterhin unsere Blauröcke unterstützt. Ich möchte aber auch den Feuerwehrmännern zurufen: „Zeigt Euch auch dem Vertrauen der Gemeinde würdig und haltet Euch in Übung, damit Ihr immer einsatzbereit seid.“

Kommandant Eduard Uhl dankte dem Bürgermeister und der Gemeinde für das Ver­trauen und schloss mit den Worten die jedem Feuerwehrmann Grundsatz sind: „Einer für Alle, Alle für Einen, Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr!“

Ein schwieriges Jahr für die Freiwillige Feuerwehr war das folgende Jahr – 1953. Am 27. Oktober wurde in einer Vorstandssitzung bekannt, dass ein Teil des Vorstandes zu einer Besprechung auf der Bürgermeisterei zu erscheinen habe. Gültige Beschlüsse in Vorbereitung auf diese Besprechung konnten in dieser laufenden Sitzung allerdings nicht verabschiedet werden, da nur ein Drittel des Vorstandes anwesend war. Dem Kommandanten wurde von einigen der nicht anwesenden Kameraden vorgeworfen, sein Amt nicht ordnungsgemäß zu führen. Der 1. Kommandanten reagierte darauf um­gehend: „Ich werde für Freitag eine außerordentliche Generalversammlung einberufen an der alle Aktiven und Ehrenmitglieder teilnehmen sollen. Auch der Bürgermeister muss an dieser Versammlung teilnehmen.“ Diese außerordentliche Generalversamm­lung fand am 1. November unter Beteiligung von Bürgermeister Stroh statt, der die Versammlung auch eröffnet. Er erklärte einleitend, dass die Besprechung auf der Bür­germeisterei auf Wunsch von mehreren Kameraden einberufen worden sei. Er sagte weiter, dass er persönlich nichts gegen den 1. Kommandanten habe und dass er hoffe, dass die besorgten Kameraden sich in der folgenden Diskussion zu Wort melden würden. In der folgenden Aussprache wurden allerdings nur wenige Punkte vorgebracht; deutliche Kritik wurde nicht geäußert. Dar­aufhin stellte der Bürgermeister den Antrag, dass in einer geheimen Abstimmung über die Beibehaltung oder Ablösung des 1. Kommandanten entschieden werden solle. Die­ser Antrag fand allgemeine Zustimmung und die anschließende Abstimmung ergab folgendes Ergebnis

Stimmberechtigte: 34

Ja-Stimmen: 19

Nein-Stimmen: 15

Also entschied sich eine Mehrheit für den 1. Kommandanten. Dies war der Anlass für den 2. Kommandanten und Rechner Daniel Kiefer, seinen Rücktritt und den Austritt aus der Wehr zu erklären. Die damit nötige Wahl eines 2. Kommandanten wurde je­doch bis zur regulären Jahreshauptversammlung im April nächsten Jahres zurückge­stellt. In der Zwischenzeit fand sich ein Kandidat, dem alle Kameraden ihr Vertrauen entgegenbrachten. So wurde in der Jahreshauptversammlung am 4. April 1954 Ka­merad Georg Gerhardt einstimmig zum 2. Kommandanten gewählt.

Die Rückkehr zur Einigkeit kam rechtzeitig, stand doch mit dem Jahr 1954 für die Feuerwehr ein sehr arbeitsreiches Jahr an. Es galt, das 50-jährige Jubiläum zu feiern. In einer Vorstandssitzung am 18. Januar wurde festgelegt, wie das Fest verlaufen und gefeiert werden sollte. Am 11. April fand eine Akademische Feier im Saal des Gasthau­ses „Zur Krone“ statt. Bürgermeister Stroh hielt die Laudatio vor den geladenen Gäs­ten, darunter der Kreisbrandinspektor (KBI) Georg Leichter und alle Ortsbrandmeister des Landkreises Offenbach. Im Verlauf der Feier konnten acht Kameraden für ihre 50-jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain geehrt werden. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Neu-Isenburger Feuerwehrka­pelle, die im Anschluss zum Tanz aufspielte. Das eigentliche Fest wurde dann am 26., 27. und 28. Juni gefeiert. Der Burggarten war zum Festgelände umfunktioniert und ein Festzelt aufgebaut worden. Den Auftakt zum Fest bildete ein Umzug der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain mit Festdamen, der Feuerwehr Sprendlingen und der Fest­kapelle, der Feuerwehrkapelle Neu-Isenburg, durch den alten Ortskern von Dreieichenhain zum Festgelände. Im Festzelt fand um 21 Uhr ein Festkommers statt, in dem zur allgemeinen großen Überraschung die Frauen der Wehr eine Standarte überreich­ten. Mit Ansprachen des 1. Kommandanten, des Kreisbrandinspektors, des Bürger­meisters und des Landrates endete dieser offizielle Teil.

Leider waren die Festtage verregnet, trotzdem wurde unter den kritischen Augen von KBI Gg. Leichter am Sonntagmorgen eine Schauübung abgehalten. In der an­schließenden Kritik lobte der KBI die Schlagkraft der Dreieichenhainer Feuerwehr. An Nachmittag hatte kurz vor dem Festzug Petrus ein Einsehen, der Regen hörte auf und der Festzug wurde ein schöner Erfolg. Am Zug beteiligten sich die Ortsvereine von Dreieichenhain und die Feuerwehren von Sprendlingen, Langen, Egelsbach, Neu-Isenburg, Götzenhain und Offenthal. Auf dem Festgelände herrschte nach dem Festzug großer Betrieb. Es war für alles gesorgt, Volksbelustigung für Groß und Klein. Ein Kinderumzug am Montag beendete das Fest. Jedes Kind trug einen Luftballon. Es war ein bunter und fröhlicher Umzug und ein schöner Abschluss des 50-jährigen Jubiläums.

Als ein weiteres ereignisreiches Jahr gestaltete sich das Jahr 1956. Das Fahrzeug, die sehr geliebte „Lotte“, zeigte recht häufig Mängel. Ersatzteile waren kaum noch zu bekommen und so befasste man sich mit der Beschaffung eines neuen Fahrzeuges. In Beratung mit dem Kreisbrandinspektor, der Wehrführung und dem Bürgermeister entschloss man sich zum Kauf eines Tanklöschfahrzeuges, ein so genanntes TLF 16, der Marke Magirus. Ende Juni wurde das Fahrzeug ausgeliefert und von den Kamera­den Wilhelm Keim und Anton Gabele sowie einem Vertreter der Stadt Dreieichenhain in Ulm abgeholt. Fast die komplette Mannschaft mit Familienangehörigen wartete bis gegen 22 Uhr in der Koberstädter Straße, in Höhe des heutigen Minigolfplatzes, auf die Ankunft des neuen Fahrzeuges. Mit Sirenengeheul und Tatütata fuhr das Fahrzeug noch am selben Abend durch Dreieichenhain. Es gab keinen Ärger, die Bürger hatten Verständnis für die Freude und den Jubel der Feuerwehr.

Völlig unerwarteterweise sorgte das neue Fahrzeug für mehr Arbeit; Brandstifter fühlten sich offenbar animiert. Dreieichenhain war 1956 noch sehr landwirtschaftlich geprägt. Dazu gehörte es, dass im Laufe der Erntezeit von den ortsansässigen Landwirten rund um Dreieichenhain haushohe Strohhaufen aufgeschichtet wurden. So standen alleine an der Trift (heute Straße „An der Trift“), im Bereich der Staffordstraße, sechs dieser Stapel. Innerhalb kurzer Zeit gerieten durch Brandstiftung vier Strohhaufen in Brand. Die Feuerwehr entschloss sich, eine Brandwache einzurichten, die alle noch vorhandenen Strohhaufen ab Einbruch der Dunkelheit bis gegen Mitternacht bewachte. Dies muss sich im Ort herumgesprochen haben, denn schlagartig brannte es nicht mehr. Heute sind die Brandstifter bekannt. Jahre später, bei einem Kerbfrühschoppen und vom Alkohol gelöster Zunge gestanden die Delinquenten ihre Dummejungenstreiche. Bei diesen Strohhaufenbränden wurde der große Vorteil eines Tanklöschfahrzeuges gegenüber einem Löschfahrzeug ohne Tank sehr deutlich. Hatte man mit diesem Fahrzeug doch sofort Wasser und konnte schon löschen, während ein Hydrant lokalisiert und zur Wasserentnahme mit einem Standrohr armiert wurde.

1958 wurde anlässlich des Volkstrauertages am 16. November von der Wehr am Feuerwehrhaus eine Gedenktafel für die gefallenen Kameraden des Zweiten Weltkrieges enthüllt.

Zur Feier waren die Angehörigen der gestorbenen und vermissten Kameraden eingeladen. Die beiden Gesangvereine Sängerkranz und Sängervereinigung sangen das Lied vom guten Kameraden. Bürgermeister Stroh ergriff für die Stadtverwaltung und den Magistrat das Wort; er fand herzliche Worte des Gedenkens. Die Ansprache des Ortsbrandmeisters Eduard Uhl hatte folgenden Wortlaut:

„Als 1945 der unglückliche Krieg zu Ende ging musste die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain feststellen, dass 19 ihrer besten Kameraden in fremder Erde, fern ihres geliebten Heimatstädtchens zur letzten Ruhe, von uns allen unvergessen. Als Zeichen der Treue und des ewigen Gedenkens enthülle ich im Namen der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain den guten Kameraden diese schlichte Ehrentafel. Es soll dies eine Stätte der Mahnung an die Lebenden sein. Getreu der Inschrift:

„Den Toten zur Ehr, den Lebenden zur Mahnung!“

Aus Platznöten – es mangelte an Parkflächen für die Privatfahrzeuge der Einsatzkräfte, die bei einem Alarm zusammengezogen wurden musste das Ehrenmahl 1973 vom Platz neben dem Feuerwehrhaus auf den Neuen Friedhof verlegt werden. Es hat nun einen würdigen Platz direkt neben dem städtischen Ehrenmal. Jedes Jahr zum Volkstrauertag wird zu Ehren der gefallenen und vermissten Kameraden ein Kranz niedergelegt.

Beispielhaft für die Jahre 1946 - 1958 soll hier das Jahr 1958 skizziert werden. In der Wehr wurde unermüdlich an der Aus- und Fortbildung in Theorie und Praxis gearbeitet. Die jeweiligen Funktionsträger besuchten die entsprechenden Lehrgänge, die Komplettierung der Ausrüstung wurde vorangetrieben. Wie in jedem Jahr musste an einem Tag dem Kreisbrandinspektor die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain demonstriert werden. Das hieß für den Gerätewart, als erstes werden die Geräte inspiziert. Waren die vorgeschriebenen Geräteprüfungen durchgeführt worden? Hatte er alles nötige in die Prüfbücher eingetragen? Danach musste die Mannschaft ihr Können unter Beweis stellen. Angefangen wurde mit einer Schulübung, dem ABC des Feuerwehrmannes. Weiter wurde an einem ausgewählten Objekt eine Brandangriffsübung absolviert. Die anschließende Kritik durch KBI Georg Leichter fiel – wie eigentlich immer – gut für die Dreieichenhainer Wehr aus. Aber mit die­ser jährlichen Veranstaltung war das Überprüfen des Könnens noch nicht zu Ende. Die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain gehörte im Landkreis Offenbach, der in 3 Löschbezirke aufgeteilt war, zum Löschbezirk 1 mit den Wehren Langen, Egelsbach, Sprendlingen, Neu-Isenburg, Heusenstamm, Götzenhain, Dietzenbach und Offenthal. Auch der Löschbezirk musste sich einmal im Jahr der Prüfung durch den Kreisbrandinspektor stellen. Für diesen Zweck wurde jeweils ein Übungsobjekt im Löschbezirk ausgewählt, an dem alle Wehren gemeinsam eine Großübung abhalten mussten. Das besondere Augenmerk liegt bei diesen Übungseinsätzen auf der reibungslosen Zu­sammenarbeit der verschiedenen Wehren. Meist wurden Abschnitte gebildet; ein Teil der Wehren war für die Wasserversorgung zuständig, die anderen führten den Brand­angriff aus oder wurden als Reserve in Bereitschaft gehalten.

1960 war wieder ein besonderes Jahr, das allerdings nicht in guter Erinnerung blieb. Wie zuvor beschrieben, sorgte die Feuerwehr seit 1924, nur unterbrochen von Kriegs- und Besatzungsjahren, zur „Haaner Kerb“ für die so genannte Burgbeleuchtung, ein großes Brillantfeuerwerk. Nun brütete 1960 auf dem vor der Burgruine gele­genen Weiher ein Schwanenpaar. Eine bei der Stadt Dreieichenhain beschäftigte Raumpflegerin, die sich um die Schwäne kümmerte – sie war in Dreieichenhain da­mals als „Schwanenmutti“ bekannt – wollte die Burgbeleuchtung aus Sorge um die Tiere verhindern. Die Feuerwehr machte sich wegen den brütenden Schwänen kundig und erhielt die Auskunft, dass eine Beeinträchtigung des Brutgeschäftes durch das Feuerwerk nicht zu befürchten war. Durch falsche Aussagen wurden der Bürgermeister und verschiedene andere Personen gegen die Feuerwehr eingenommen. Vor dem Feuerwerk eskalierte die Situation. Kameraden der Feuerwehr wurden vor ca. 50 Zeugen auf übelste Weise beleidigt. Die Besonnenheit der Kameraden verhinderte, dass es zu Tätlichkeiten kam.

Auch im Feuerwehrhaus waren die Verhältnisse nicht ideal. Im Feuerwehrhaus gab es vier Wohnungen. Drei davon waren von Feuerwehrkameraden bewohnt und eine von einem Polizisten. Dreieichenhain sollte eine Polizeistation erhalten und für diese war der Polizist vorgesehen. Das Zusammenleben war jedoch nicht konfliktfrei. So wurde ein Kamerad wegen seiner lustigen – und sicherlich auch lauten – Ge­burtstagsfeier bestraft, Kameraden und deren Frauen wurden beschimpft, über der vor dem Feuerwehrhaus angetretenen Feuerwehr wurden die Betten ausgeschüttelt etc. Der Bürgermeister samt Magistrat wurde dringend gebeten, diesen Zustand abzustellen, was durch den Wegzug der Familie dann auch geschah. Da Dreieichenhain schlussendlich doch keine eigene Polizeistation bekam, wurde die Polizistenfamilie einsatznäher untergebracht.

Die Arbeit der Feuerwehr ging trotz aller Turbulenzen in gewohnter Art und Weise weiter. Traurig stimmte allerdings, dass nach fast 23 Jahren das Fahrzeug, die geliebte „Lotte“, außer Dienst ging und verschrottet wurde. Dafür wurde für den Mannschaftstransport ein VW-Bus beschafft. Die Finanzierung übernahm die Stadt Dreieichenhain, Lackierung, Blaulicht und Martinshorn bezahlte die Feuerwehr. Nun stand eigentlich nur noch die Anschaffung einer motorisierten Feuerwehrleiter aus, denn die alte Anhängeleiter entsprach nicht mehr den Anforderungen. Noch im gleichen Jahre wurde auch endlich das Feuerwehrhaus verputzt.

Ein besonderer Einsatz ereignete sich an Weihnachten. In den frühen Morgenstunden des 26. Dezembers wurde die Wehr zum Schloss Wolfsgarten gerufen. Dort brannte der Dachstuhl. Einige Kameraden hatte der Alarm im Vereinslokal erreicht, wo kurz zuvor noch die Weihnachtfeier der Wehr stattgefunden hatte. In dieser Nacht arbeiteten die Feuerwehren Langen, Egelsbach, Sprendlingen, Neu-Isenburg und Dreieichen­hain zusammen, um das Schloss der ehemaligen hessen-darmstädtischen Fürstenfamilie zu retten.

Im Jahre 1962, am 11. August, traf man sich nach einer Übung zu einer kleinen Feier. Der Anlass war die 30-malige Durchführung der Burgbeleuchtung sowie das 50-jährige Jubiläum des Odenwaldclubs Dreieichenhain. Am Feuerwehrhaus überreichte Bürgermeister Pfrommer dem Feuerwerker Anton Schwab ein Gemälde der Burg Hayn überreicht. Die Feuerwerkerei Schwab führte seit Beginn an mit großem Erfolg die Burgbeleuchtung mit Feuerwerk für die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain durch. Nach dem Überreichen des Bildes an Feuerwerker Schwab und dem Anheftens einer Fahnenschleife an die Vereinsfahne durch Kamerad Wilhelm Keim, als Erinnerung an sein 25-jähriges Jubiläum, ging es in den Wald. Dort wurde dem Odenwaldclub eine Ruhebank überreicht und sofort aufgestellt. Eine zusätzliche Überraschung war, dass Ortsbrandmeister Eduard Uhl ebenfalls eine Bank spendete. Standort der beiden Bänke ist die Maienfeldschneise in Nähe der Kleingartenanlage

Wie alle Feuerwehren hatte auch die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain die Ver­pflichtung, tagsüber bei Feueralarm die Fahrzeuge zu besetzen und mindestens mit ei­ner Löschgruppe von 9 Mann an der Einsatzstelle einzutreffen. Anfang der 1960er Jahre bekam man zunehmend Schwierigkeiten, diese gesetzliche Forderung zu erfül­len. Grund hierfür war die rückläufige Beschäftigung in der lokalen Landwirtschaft, außerdem verdienten viele ihren Lebensunterhalt in Frankfurt a. M. Die Feuerwehr war meist erst ab 18 Uhr komplett. Hinzu kam, dass nur noch wenige als aktives Mit­glied in die Feuerwehr eintraten und die, die aktiv waren, wurden von vielen Mitbür­gern eher belächelt. So bemühte man sich, die Attraktivität der Feuerwehr zu steigern. Dazu gehörte auch, dass eine Jugendfeuerwehr gegründet wurde. Unter Brandmeister Georg Zimmer schlossen sich 17 junge Burschen im Alter von 12 bis 13 Jahren zur Jugendfeuerwehr zusammen. Es dauerte allerdings fünf Jahre, bis die ersten in die Einsatzabteilung der Feuerwehr übernommen werden konnten. Ein Mitglied der Einsatzabteilung muss sein 16. Lebensjahr vollendet haben. Dennoch, der Anfang zur Verstärkung der Einsatzabteilung war damit gemacht. Als offizieller Gründungs­tag der Jugendfeuerwehr Dreieichenhain gilt der 13. Februar 1963.

Der 6. Februar 1964 ist ebenfalls ein wichtiger Tag in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain. An diesem Tage konnte die lang ersehnte motorisierte Drehleiter übernommen werden. Ortsbrandmeister Eduard Uhl, sein Stellvertreter Georg Gerhardt und Gerätewart Wilhelm Keim hatten sie bei der Fa. Magirus in Ulm abgeholt und nach Dreieichenhain überführt. Am Gerätehaus standen die Mitglieder der Feuerwehr, die Jugendfeuerwehr mit brennenden Fackeln und der Spielmannszug des Sportvereins zum Empfang der Leiter bereit. Bürgermeister Hans Pfrommer und Stadtverordnetenvorsteher Helmut Klaiber übergaben die Leiter offiziell an die Wehr. Helmut Klaiber betonte, dass die Anschaffung der Leiter Teil einer organischen Entwicklung der Wehr sei, die ihren Anfang mit dem Bau und dem Bezug des neuen Feuerwehrhauses hatte und zu der auch die Indienstnahme des Tanklöschfahrzeugs ge­hörte. Auch Kreisbrandinspektor Georg Leichter war zur Würdigung des Ereignisses gekommen. Den anwesenden Stadtverordneten und Bürgermeister Pfrommer machte er das Kompliment, immer verstanden zu haben, dass zu einer gut ausgebildeten Mannschaft zur Brandbekämpfung auch die entsprechenden Geräte gehören.

1964, am 15., 16. und 17. August feierte die Feuerwehr ihr 60-jähriges Bestehen. In der festlich ge­schmückten Turnhalle des Turnvereins wurde eine „Aka­demische Feier“ abgehalten. Während dieser Feier konnten vier der Gründer der Wehr mit einem Ge­schenkkorb geehrt werden. Eduard Uhl wurde bei dieser Gelegenheit zum Ehrenkommandanten ernannt und erhielt das von Gg. Konrad Wenzel getragene Kommandan­tenbeil als Ehrenbeil überreicht. Eine besondere Ehrung wurde für Brandmeister Wil­helm Urbanschke gestaltet. Er wurde für 50-jährigen aktiven Dienst ausgezeichnet, wobei herauszuheben ist, dass Kamerad Urbanschke als Heimatvertriebener, sofort als er in Dreieichenhain eine neue Heimat gefunden hatte, in die Freiwillige Feuerwehr als aktives Mitglied eintrat. Er stammte ur­sprünglich aus Dubitz bei Aussig. Bei dieser Feier waren etliche offizielle Vertreter anwesend, dazu gehörten Schirmherr Bürgermeister Hans Pfrommer, Land­rat Walter Schmitt, Kreisbrandinspektor Georg Leichter und Stadtverordneten­vorsteher Helmut Klaiber. Bürgermeister Pfrommer begrüßte als Schirmherr die Anwesenden und würdigte die Entwicklung und Leistungen der Feuerwehr.

„Als ich einmal einen Alarm auslöste“, so seine Feststellung, „war die komplette Wehr 4,5 Minuten nach Ertönen der Sirene mit ihrem Wagen ausgerückt. Mit dieser Zeit sind wir jeder Berufsfeuerwehr, obwohl diese in ständiger Alarmbereitschaft ist, während unsere Männer irgendwo vom Alarm überrascht werden, durchaus ebenbürtig.“

In seiner Rede betonte Landrat Schmitt, „dass die Sorge um Hab und Gut auch mit zu den Gedanken von der Würde des Menschen gehört. Was wäre alle Ausrüstung, für die die Kommunen verantwortlich sind, gäbe es nicht pflichtbewusste Männer, die sie erfolgreich anwenden. Dies ist ein Ehrendienst an der Bürgerschaft, den man nicht hoch genug einschätzen kann!“ Er lobte besonders den Geist, der in der Hainer Wehr herrsche.

Die 60-Jahrfeier wurde vom Musikverein Dreieichenhain unter der Leitung von Ph. Sittmann und dem Sängerkranz musikalisch umrahmt. Am Sonntag, 16. August, wurden die Bürger Dreieichenhains am frühen Morgen mit einem Weckruf des Spiel­mannszuges des Sportvereins geweckt. Sehr viele fanden sich am Feuerwehrhaus ein und verfolgten dann interessiert die große Bezirksübung des Löschbezirks 1 in der Waldstraße / Ecke Maienfeldstraße, die unter der Leitung von Kreisbrandinspektor Leichter abgehalten wurde. Beteiligt waren die Wehren aus Langen, Egelsbach, Sprendlingen, Götzenhain, Offenthal und Neu-Isenburg. Die Übung lief zur vollsten Zufriedenheit des KBI ab. Am Montag beschloss ein zünftiger Frühschoppen die Feierlichkeiten.

Auch das Jahr 1965 ist für die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain ein denkwürdiges Jahr. Am 12. September wurde eine Übung durchgeführt, die mit einer Brandangriffsübung begann und mit Schulübungen auf dem Hof der Ludwig-Erk-Schule fortgeführt wurde. Die Überraschung der Mannschaft war groß, als Bür­germeister Pfrommer und Stadtverordnetenvorsteher Klaiber erschienen und der Wehr einen neuen VW-Mannschaftsbus überreichten.

Am 16. Oktober wurde gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Zeppelinheim bei der Fa. Nadel-Kratz in der Landsteiner Straße zum Abschluß der jährlichen Übungen die Abschlussübung durchgeführt. Übungsszenario war der Absturz eines Flugzeuges auf die Industrieanlage der Fa. Kratz. Unter schwerem Atemschutz, so genannten Pressluftatmern, drangen die Trupps zur Menschenrettung und Brandbekämpfung in die Werkstätten und Büros ein. Die Kameraden aus Zeppelinheim zeigten außerdem noch bei einem gestellten Fahrzeugbrand (Pkw) ihr Können unter Beweis. Bei der anschließenden Kritik sprachen Bürgermeister Pfrommer und der Firmeninhaber Herr Kratz den beiden Wehren für die vorbildliche Übung und Leistung ihren Dank aus. Mit dem Spielmannszug des Sportvereins ging es dann in die Halle des Turnvereins zu einer gemeinsamen Feier.

Das Jahr 1965 endete sehr traurig. Am 25. Dezember verstarb der 1. Kommandant Eduard Uhl an einem Herzschlag, als er zur Weihnachtsfeier ins Vereinslokal „Zu den drei Eichen“ gekommen war. Schon drei Tage später, am 28. Dezember, wurde er mit allen Ehren der Wehr beigesetzt.

Eduard Uhl war über 40 Jahre aktiver Feuerwehrmann und übernahm 1951 als Kommandant die Wehr. 1964 wurde er mit dem Goldenen Brandschutzehrenzeichen des Landes Hessen ausgezeichnet. In der Wehr wird er unvergessen bleiben, groß sind seine Verdienste um die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain.

Der Beginn des Jahres 1966 war von der Suche nach einem neuen 1. Kommandanten geprägt. Die Amtszeit von Eduard Uhl hätte regulär noch bis Ende 1966 gedauert. In der Jahreshauptversammlung zum Jahresanfang 1967 wäre die gesamte Führung der Frei­willigen Feuerwehr neu gewählt worden. Die Wehr hatte Vorstellungen zur Besetzung der vakant gewordenen Stelle des 1. Kommandanten. Die Kameraden wollten Löschmeister Karl Weilmünster zum 1. Kommandanten wählen und Brandmeister Georg Gerhardt sollte weiter als 2. Kommandant fungieren. Die Stadt legte durch Bürgermeister Pfrommer ihr Veto ein. Wunsch der Stadt war es, dass zwei ältere Kameraden mit Er­fahrung die Führung der Wehr bis zur Neuwahl übernehmen. So wurden am 28. Januar 1966 erst einmal Brandmeister Georg Gerhardt zum 1. und Brandmeister Georg Zimmer zum 2. Kommandanten einstimmig für ein Jahr gewählt. In Laufe des Jahres wurde auch das von Albert Uhl gestiftete Motorrad seines Bruders Eduard an den Stifter zurückgegeben. Das Motorrad, eine DKW mit 250 ccm, war zu Einsätzen überhaupt nicht und zu Übungen kaum gefahren worden. Der weitere Jahresverlauf verlief für die Wehr unspektakulär. 1966 war geprägt von der Arbeit an der Aus- und Fortbildung der Mannschaft, dem Besuch des Kreisfeuerwehrtages und verschiedener Festlichkeiten, weiterhin von der Durchführung der jährlichen Burgbeleuchtung zur Kerb und im Dezember der Nikolauswanderung mit den Kindern der aktiven Kameraden sowie anderen Verpflichtungen, die im Laufe eines Jahres anfallen, wie z. B. Ehrungen für 25- und 40-jäh­rige aktive Dienstzeit, Silberne und Goldene Hochzeiten und besondere Geburtstage.

Die Regularien, wie eine Freiwillige Feuerwehr zu führen ist, wie die Führung gewählt wird und welche Anforderungen die zur Wahl stehenden Kandidaten erfüllen müssen, sind im Hessischen Brandschutzgesetz und zum Teil in der Hessischen Gemeindeordnung niedergelegt. Entsprechen die Kandidaten nicht den vorgegebenen Anforderungen, müssen sie sich gegenüber der Gemeinde verpflichten, diese in einem festgelegten Zeitraum nachzuholen. Die Amtszeit der Führung beträgt seit 1971 nach gesetzli­cher Vorgabe fünf Jahre (bis in die 1960er Jahre galt eine Dienstzeit von vier Jahren, die dann umgestellt wurde). In der Jahreshauptversammlung am 18. Februar 1967 wurden für die nächsten fünf Jahre Heinz Jung zum 1. und Georg Gerhardt zum 2. Kommandanten gewählt. Mit dieser Wahl war auch Bür­germeister Pfrommer einverstanden, gab es mit dieser Entscheidung doch keinen kompletten Wechsel in der Führung, da Kamerad Gg. Gerhardt als älterer Fachmann in Sachen Brandschutz im Vorstand verblieb.

Zwischenzeitlich gab es im Feuerwehrhaus einige Änderungen. Das Feuerwehrhaus hatte – wie schon erwähnt - vier Wohnungen, von denen sukzessive drei von feuer­wehrfremden Familien bezogen wurden. Es bestand fast kein Bedarf eines Feuerwehr­kameraden, da viele Kameraden Besitzer eines eigenen Hauses waren oder im elterlichen Heim wohnten. Solange Wohnungsnot herrschte, belegte die Stadt Dreieichen­hain als Hausbesitzerin die frei werdenden Wohnungen mit feuerwehrfremden Familien. An dieser Stelle soll betont werden, dass es mit diesen Familien keine Schwierig­keiten gab, die jedoch nicht auf Dauer in den Wohnungen blieben. Da es mittlerweile ausreichend Wohnraum gab, wurden die Wohnungen im Feuerwehrhaus nicht mehr belegt. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Feuerwehr immer umfangreicher und auch schwieriger und man suchte nach geeigneten Unterrichtsräumlichkeiten. Bis dahin hatte der Unterricht im Winterhalbjahr immer im Vereinslokal oder im Keller der alten Schule stattgefunden, nicht unbedingt unter idealen Bedingungen. So konnte es im Vereinslokal geschehen, dass im dortigen abgeteilten Saal auf der einen Seite die Feuerwehr Unterricht hatte und auf der anderen Seite hatte der Musikverein Probe oder es wurde Skat geklopft. Man entschloss sich daher, das 1. Obergeschoss des Feuerwehrhauses umzubauen. Aus den ehemaligen zwei Wohnungen entstanden ein Unterrichts- und Versammlungsraum und ein Vorstandszimmer. Von nun an war man auf fremde oder private Räume nicht mehr angewiesen. Der genaue Zeitrahmen der Umbauarbeiten ist nicht bekannt. Auf jeden Fall fand die erste Vorstandsitzung im Feuerwehrhaus am 7. Januar 1967 statt. Die Hoffnung, nun könnten Aus- und Fortbil­dung in ruhiger Umgebung durchgeführt werden, wurde enttäuscht. Im Dachgeschoss verblieben ja noch zwei Wohnungen. Als eine davon frei wurde, stellte die Stadt sie dem Roten Kreuz zur Verfügung. Deren damaliger Vorsitzender, der sich sehr be­mühte, die etwas abgeflauten Aktivitäten des Roten Kreuzes in Dreieichenhain wieder zu bele­ben, vergab die Räume freitags als Probenort an den Musikverein. Dieses Lärmdilemma war jedoch von kurzer Dauer. Schließlich wurde auch das Dachgeschoss der Feuerwehr übereignet. Die zwischenzeitliche Unterkunft des Roten Kreuzes wurde für die Jugendfeuerwehr hergerichtet und die zweite Wohnung wurde Archiv und Kleiderkammer.

Im Juni 1968 wurde die Ausrüstung der Wehr erweitert. Da die Wehr in letzter Zeit sehr oft zu Waldbränden ausrücken musste, überlegte man sich, ob es nicht sinnvoll wäre einen Schlauchwagenanhänger anzuschaffen. Anlässlich einer Übung am 9. Juni wurde von der Stadt tatsächlich ein Schlauchwagenanhänger überreicht. Mit diesem Gerät war man in der Lage, speziell bei Waldbrand, eine größere Strecke mit Schlauchmaterial zu überbrücken.

1969 begann bei der Feuerwehr ein neuer Zeitabschnitt. Dem Trend der Zeit zur Modernisierung entsprechend verschwand der schwarze Feuerwehrhelm. Er wurde durch den hellen, mit nachleuchtender Farbe versehenen Helm ersetzt. Mit diesem Helm war der Feuerwehrmann im Einsatz besser sichtbar; ein guter Beitrag zur Un­fallverhütung.

Am 24. Juni bat der 2. Kommandant Georg Gerhardt wegen Arbeitsüberlastung um Beurlaubung vom Dienst bis zur Jahreshauptversammlung 1971, dem Zeitpunkt der turnusmäßigen Neuwahl dieser Position. Dem Antrag wurde stattgegeben und Brand­meister Günter Delrieux als 2. Kommandant vom Vorstand eingesetzt. Von den beiden Kommandanten wurde am 9. Oktober eine Nachtalarmübung bei der Fa. Schäfer in der Siemenstrasse im Industriegebiet anberaumt. Die eingesetzten Kräfte waren verblüfft, als das Übungsobjekt, ein Öltank im Hof der Fa. Schäfer, plötzlich taghell beleuchtet wurde. Ursache hierfür war ein Lichtmastanhänger, welcher der Feuerwehr von der Stadt Dreieichenhain bei dieser Gelegenheit überreicht wurde.

Um zu testen, wie Schulkinder bei Feueralarm in ihrer Schule reagieren, ordnete das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt an, Alarmübungen in Schulen durchzu­führen. Nach Rücksprache mit der Rektorin der Dreieichenhainer Schule wurde am 3. Oktober 1970 um 10 Uhr eine Alarmübung organisiert. Einige Tage zuvor wurde in allen Klassen ein spezieller Unterricht von den Lehrern abgehalten, um den Kindern nahe zu bringen, wie sie sich bei Alarm zu verhalten haben und wo der Sammelplatz der Klasse im Schulhof ist. Nach dem Alarm ging die Räumung der Schule dann auch sehr schnell und sehr geordnet über die Bühne. Allerdings war eine Klasse samt Lehrkraft nicht an dem vorgeschriebenen Sammelplatz. Die Lehrkraft, eine Lehrerin, war noch im Klassenraum, die Schüler hatten die Schule verlassen und waren größtenteils nach Hause gegangen. Den Eltern wurden tolle Geschichten über einen Brand in der Schule erzählt. Der größte Teil der Eltern kam zur Schule und machte der Feuerwehr große Vorhaltungen, manche beschimpften die Kameraden vor Ort. Einige der Eltern wollten die Führung der Feuerwehr sogar gerichtlich belangen. Hierzu kam es allerdings nicht, da diese Übung vom Regierungspräsidium angeordnet gewesen war und nicht auf Eigeninitiative der Feuerwehr zurückging. Später stellte sich heraus, dass die Lehrerin, die ihre Klasse nicht ordnungsgemäß zum Sammelplatz bringen konnte, an einem früheren Dienstort von einem Brandanschlag betroffen gewesen war. Ein psychisch kranker Mann hatte mit einem selbstgebauten Flammenwerfer ihre Klasse überfallen. Soweit bekannt, kamen bei diesem Anschlag zwei Kinder zu Tode. Diese Übung war für alle Beteiligten in mehrfacher Weise äußerst lehrreich und wirkte noch lange nach.

1971 brachte für die Feuerwehren im Lande Hessen eine große Änderung. Das am 5. Oktober 1970 von der Landesregierung verabschiedete neue „Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistung der Feuerwehren (Brandschutzhilfe­leistungsgesetz - BrSHG)“ trat am 1. Januar 1971 in Kraft. Dieses Gesetz beinhal­tete, dass Kameraden, die das 60. Lebensjahr überschritten hatten, keinen aktiven Dienst mehr versehen durften. Diese Kameraden wurden alle Mitglied der neu zu gründenden „Ehren- und Altersabteilung“. Die Kameraden, die noch aktiven Dienst versahen, bildeten die „Einsatzabteilung“. Aus dem Ortsbrandmeister wurde ein „Stadtbrandinspektor“. Die Einsatzabteilung untersteht der Stadtverwaltung und gehört zum Ordnungsamt. Weisungsberechtigt sind der Bürgermeister und der Dezernent für den Brand- und Katastrophenschutz. Das Ordnungsamt ordnet z.B. an, bei welchen Veranstaltungen ein Brandsicherheitsdienst zu stellen ist.Für die ehemaligen passiven Mitglieder war ein „Verein“ zu gründen. Es dauerte zwei Jahre bis es zur Gründung eines solchen Vereins in Dreieichenhain. Am 2. November 1973 fand im Feuerwehrhaus die Gründungsversammlung statt, an der 30 Kameraden anwesend waren, die alle wahlberechtigt waren. So wurde der „Verein der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain 1904“ gegründet. Die gesetzlichen Änderungen können im Rückblick als positiv bewertet werden. Obwohl der Brandschutz Ländersache ist, werden die Feuerwehren in der Bundesrepublik alle nach fast gleichen, untereinander abgestimmten Brandschutzgesetzen geführt.

Zwischenzeitlich hatte das Tanklöschfahrzeug ein Alter von 16 Jahren erreicht und in der Wehr machte man sich mit dem Gedanken vertraut, ein neues Fahrzeug anzuschaffen. In der Jahreshauptversammlung am 3. März 1972 wurden Bürgermeister Pfrommer und Stadtverordnetenvorsteher Klaiber von Stadtbrandinspektor Jung mit diesem Vorhaben vertraut gemacht. Stadtbrandinspektor Jung fragte direkt, wann die Stadt Dreieichenhain daran denke, ein neues Fahrzeug zu kaufen. Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher waren sehr überrascht und äußerten beide die gleiche Auffassung, dass das Tanklöschfahrzeug zwar 16 Jahre alt sei, aber erst 8 000 Kilo­meter auf dem Tacho habe und seine Anforderungen noch erfüllen können müsste. Der Vorstand wurde aufgefordert, innerhalb von 14 Tagen einen Bedarfskatalog zu erstellen, aus dem ersichtlich war, welcher Neubedarf an Ausrüstung erforderlich sei. Tatsächlich wurde der dann verfasste Katalog bis auf die Fahrzeugneubeschaffung weitgehend von der Stadt Dreieichenhain erfüllt. Dazu gehörte u.a. der Um- und Ausbau des Unterrichts- und Versammlungsraumes, der schließlich anlässlich der Inspektionsübung am 14. Oktober eingeweiht wurde. Nach diesem Umbau konnten nun auch die Versammlungen der Wehr und des Vereins im Feuerwehrhaus stattfinden.

1976 war für die Freiwillige Feuerwehr Dreieichenhain wieder ein besonderes Jahr. Als sich herausstellte, dass die Männer aus dem traditionell dafür zuständigen Geburtsjahrgang in diesem Jahr keine „Kerbborsche“ sein wollten, stellte die Jugendfeuerwehr mit einigen älteren Aktiven die Kerbburschen, die ein wichtiger, für viele unverzichtbarer, Teil der Hainer Kerb sind. Die Anregung für diese Lösung entstand in einem Gespräch zwischen Bürgermeister Pfrommer und dem stellvertretenden Stadtbrandinspektor und Vereinsvorsitzenden Günter Delrieux. Die Feuerwehr nahm das Ansinnen von Bürgermeister Pfrommer auf, man war bereit, die Kerb auszugestalten. So wurden die alten Lieder eingeübt, der Kerbbaum gestellt, der Verkauf von „Kerbbeem“ (junge, frisch geschlagene Birken, die vor den Häusern des Städtchens aufge­stellt werden) durchgeführt und die Kerbverbrennung mit „Kerbredd“ (eine traditionelle Rede auf Hessisch und in Reimen zu den Ereignissen der Kerb und mit einigen Kommentaren zu Dreieichenhainer Verhältnissen) organisiert.

Während 1976 so einerseits für Traditionsbewahrung in der Feuerwehr steht, wurde andererseits das Feuerwehrhaus modernisiert. Eine Maßnahme, die nötig wurde, weil sich der Geräte- und Fahrzeugpark vergrößert hatte und das Haus an ge­änderte Bedürfnisse angepasst werden sollte. So wurde seitlich eine Fahrzeughalle mit gleicher Höhe wie die vorhandene Fahrzeughalle angebaut. Am Feuerwehrhaus selbst verschwand das Satteldach. Die Seiten- und Innenwände wurden auf normale Zim­merhöhe hochgezogen und das Haus erhielt ein Flachdach. Im 2. Obergeschoss ent­standen eine Wohnung, ein Büro und ein Sitzungszimmer für den Feuerwehrausschuss und den Vorstand. Die schweren Holztore der Fahrzeughallen wurden abmontiert und durch Rolltore ersetzt. Beim Einbau der neuen Tore wurde allerdings nicht auf gel­tende Vorschriften des Landes Hessen geachtet. Die Durchfahrtshöhe für Feuerwehrfahrzeuge war zu niedrig, auch in der neuen Halle. Außerdem entsprachen die Durch­fahrten nicht der Unfallverhütungsvorschrift. Es kam zu einem heftigen Disput zwischen der Führung der Feuerwehr und der Stadt Dreieichenhain. Stadtbrandinspektor Heinz Jung trat von seinem Posten zurück. Die Rolltore wurden dann so umgebaut, dass zumindest die Durchfahrtshöhe den Vorschriften entsprach. Am seitlichen Abstand konnte nichts verändert werden; dies wurde von übergeordneten Stellen geneh­migt. In der Wehr fanden Neuwahlen statt. Günter Delrieux wurde zum Stadtbrandin­spektor gewählt, sein Stellvertreter wurde Karl-Heinz Sandner.

Ein besonderes Ereignis warf bereits seine Schatten voraus. Das Land Hessen plante eine große Gebietsreform. Welche Gemeinden und Städte zusammengeschlossen werden sollten, war noch nicht hundertprozentig festgelegt; die grobe Struktur war aber bekannt. Die Ortsbrandmeister und Stadtbrandinspektoren samt Stellvertreter von Buchschlag, Götzenhain, Offenthal, Sprendlingen und Dreieichenhain tagten schon jetzt gemeinsam. Für den kommenden Zusammenschluss musste eine Satzung entworfen werden und die jetzigen Funktionen der einzelnen Wehren entsprechend dem Hessischen Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz angepasst werden. In der neuen Stadt, unabhängig in welcher Größe, würde für alle Feuerwehren nur ein Stadtbrandinspektor und ein Stellvertreter verantwortlich sein, der von allen der Kommune angehörenden Feuerwehren zu wählen sein würde. Die Wehren der Stadtteile würden zukünftig von Wehrführern geleitet. Für die neuen Funktionen der Gesamtgemeinde und den Stadtteilfeuerwehren mussten die geeigneten Persönlichkeiten gefunden wer­den. Ein Investitionsplan wurde erstellt, aus dem ersichtlich war, in welchem Jahr bei welcher Feuerwehr Neubeschaffungen von Fahrzeugen nötig sein würden. Es gab also vor dem Zusammenschluss schon viel Arbeit, die aber mit Bravour gemeistert wurde. Schon in dieser Vorbereitungszeit wurde der Grundstein für eine Gleichbehandlung der fünf Ortsteilfeuerwehren gelegt. Die politische Seite trug sich sogar mit dem Gedanken, alle Feuerwehren zu einer einzigen Freiwilligen Feuerwehr zusammen zu schließen. Standort der Feuerwehr sollte der zentralste Punkt der Stadt Dreieich sein. Das wäre die Stelle, an der heute das Autohaus Georg von Opel steht. Das Land Hessen fordert jedoch gesetzlich einen flächendeckenden Brandschutz und in jedem Ortsteil eine Freiwillige Feuerwehr. So war dieses Vorhaben nicht durchzuführen. Alle fünf Ortsteilfeuerwehrenwehren blieben bestehen.

Mit dem 31. Dezember 1976 endet die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Dreieichenhain, am 1. Januar 1977 geht sie aber als Freiwillige Feuerwehr Dreieich-Dreieichenhain weiter.